Homeoffice
- holunderfraubrigit

- 19. Aug.
- 2 Min. Lesezeit
Homeoffice auf Norddeutsch: „Hausmarrachen“ – Daheim herummalochen, zwischen nervigen Unterbrechungen und vermissten Kollegen. Die Masken sind verschwunden. Die Unsichtbarkeit ist geblieben. Das Licht ist gedämpft, wie eine Lampe unter einem grauen Tuch. So auch diese beiden:
Der Schlappen-SEO
Webcam
Weißes Hemd
Unten Schlappen, Badeshorts.
Kamera an, Kamera aus.
Homeoffice
Die im Waist-up Dressing
Oben
Business Shirt
Unten Leggings, Puschen
Webcam an, Katze Minka
Homeoffice
Das ist „Hausmarrachen“ –
mit zwei R, das alltägliche Chaos, das unsichtbare Herumwursteln zwischen Homeoffice, Waschmaschine und Paketbote.
Und „Hausmarachen“ – mit einem R, das kreative Herumwerkeln.
Zwei Welten – Gleiche Müdigkeit
Zwei Fremde, ein Phänomen und beide stellen sich die gleiche Frage: „Werde ich überhaupt noch gesehen?“.
Der Erste war und ist unsichtbar in seiner Schicht, wo der Tag zur Nacht und die Nacht zum Tag wird. Der Schichtplan ist kompromisslos. Wind und Wetter: rücksichtslos. Morgens um fünf Uhr sind seine neidvollen Gedanken bei denen mit den Akten-Rollköfferchen in der Einfahrt. Er selbst ist unsichtbar, außer, wenn die Stückzahl nicht stimmt, wenn das Soll nicht erreicht ist.
Der Zweite ist unsichtbar im Homeoffice, wo die Tür zum Feierabend fehlt, ebenso die Kollegen im Flur. Und wenn nur mittwochs und donnerstags „Hausmarrachen“ auf dem Plan steht, ist der Rollkoffer im Flur geparkt, wie ein störender Gast. Der Mensch: Weder Fleisch noch Fisch. Gesehen wird er nur als kleines Kästchen auf dem Bildschirm.
Alles gleichzeitig. Nicht halb, nicht ganz. Am Ende des Tages müssen die Aufgaben erledigt, das Soll erfüllt sein. Kollegen: unsichtbar. Menschen: ermüdet, genervt, demotiviert. Kein Vibe. Nur Katze Minka schnurrt.
Unsichtbar
Grauer Sommer
Alle sind müde
Keiner schaut mehr hin
Hausmarrachen




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